250 Jahre Bodenmaiser Bergmusik (1760-2010)

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Schon seit 1760 kann Bodenmais eine Bergknappenkapelle vorweisen, die damals von den Gebrüdern Knödl, zwei im Ort sesshaft gewordenen Bergleuten, gegründet wurde. Bis 1756 übernahmen die „Deggendorfer Türmer“ in Bodenmais jegliche musikalische Umrahmungen. Mit der Einwanderung böhmischer Bergleute erfuhr das mBergmusik 1849usikalische Leben der einstigen Hofmark Bodenmais neue Impulse. Zwischen 1760 und 1783 lehrte der ansässige Schullehrer Josef Pongratz den Kindern das Musizieren an Blasinstrumenten und legte den Grundstein für ein breites musikalisches Leben. 1793 erhielt die Bergmusik erstmals eine eigene Tracht, die 1852 Erneuerung fand, als ein Besuch des Königs in Bodenmais bekannt wurde. Die Zahl der Bergmusikanten betrug neun Mann. Ab 1865 wurde über einige Jahrzehnte hinweg mit Ausnahme eines einzigen Mannes die Bergmusik ausschließlich von der Familie Wölfl getragen. Die Bodenmaiser Bergknappen waren überall im Lande begehrt und gern gesehen. Zu vielen und großen Festlichkeiten wurde die Kapelle eingeladen, auch bei den örtlichen Festlichkeiten fehlte die Kapelle nie.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts löste sich die Kapelle von der Knappschaft und wurde eine sogenannte „Ortsmusik“. Als Kapelle in Bergmannstracht begleitet sie die Knappschaft an Fronleichnam, zum Benno- und Barbaratag. Es gab öfter Zusammenschlüsse und Trennungen. Bergmusik 1935Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs spielte die Knappschaftskapelle wieder bei offiziellen Anlässen, ehe 1962 mit der Einstellung des Bergbaues am Silberberg auch die über zweihundert Jahre alte Tradition der Bodenmaiser Bergmusik zu enden drohte. Die in den letzten 1960er Jahren noch bestehende Bodenmaiser Blaskapelle – seit längerem ohne Nachwuchs – war ständig auf die Mitwirkung auswärtiger Musiker angewiesen. Erich Redmann, der erfahrene Leiter einer Jugendkapelle, war statt eines Spielmannszuges für eine Jugendblaskapelle zu begeistern. Die Marktgemeinde Bodenmais sagte dafür ihre Unterstützung zu.

Im Mai 1970 begann der Musikunterricht. Anfangs wurde täglich und später viermal wöchentlich geprobt. In dieser Zeit führte Dirigent Erich Redmann die Posten als Vorstand, Schriftführer und Kassier in einer Person aus. Diese Belastung war untragbar. Am 16. Dezember 1970 wurde der Knappschaftsverein Bodenmais wieder ins Leben gerufen. Die neueingekleidete Knappschafts-Jugendkapelle trat 1971 am Fronleichnamstag auf. Mit der überaus großen Bekanntheit, welche die Knappschaftskapelle Bodenmais durch die zahlreichen Auftritte allerorten erlangte, wuchs auch weitum die Beliebtheit zu dem Orchester in Bergmusik 1960Bergmannstracht. 1994 übergab Erich Redmann, Gründer der Knappschaftskapelle, den Taktstock an Reinhard Treml, der nach fünfjähriger musikalischer Leitung den Dirigentenstab an Johann Kuchl weiterreichte. Nicht nur zu einem Werbeträger und Aushängeschild für ihre Heimatgemeinde wurde die Knappschaftskapelle, ebenso eine Lebensbereicherung und ein faszinierender Klangkörper, der über ein breites musikalisches Repertoire mit anspruchsvollen Niveau verfügt. Das vielseitige und abwechslungsreiche Musikprogramm dokumentieren die Begeisterung an den hohen Leistungen und die Aufmerksamkeit der Zuhörer. Das Jahreskonzert der gut fünfzig Musikerinnen und Musiker am Ostersonntag ist seit 1996 kultureller Bestandteil im Leben des Ortes. Alljährlich bemüht sich das Blasorchester in Bergmannstracht um ihren musikalischen Leiter Johann Kuchl ein facettenreiches und ansprechendes Programm zu erarbeiten, das in langer Probenarbeit einstudiert wird. Somit ist es hörbar und sehbar, welchen Stellenwert die Knappschaftskapelle Bodenmais in der Bevölkerung genießt und bei ihren Auftritten die Instrumente zu einem Ganzen zusammenführt. Dabei ist sich die Kapelle, die sich auch in Zukunft Viel vorgenommen hat, stets treu geblieben. Wenn nun mit mehreren Veranstaltungen an die 250jährige Geschichte der Bodenmaiser Bergmusik erinnert wird, kann auch die Knappschaftskapelle auf ein außerordentliches Wirken in vier Jahrzehnten und auf eine genau so lange kostenlose Musikausbildung blicken. Nahezu über 300 Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene wurden in dieser Zeit ausgebildet. Das Resümee zum Jubiläumsjahr 2010: Obwohl man mit Recht von einer Tradition sprechen kann, ist die Kapelle keineswegs abgenutzt. Im Gegenteil: Die Knappschaftskapelle Bodenmais mit ihrem Dirigenten Johann Kuchl umfasst alle Lebensbereiche, stellt sich den Herausforderungen und das „Kind“ – wie es Gründer und Ehrendirigent Erich Redmann liebevoll und nicht ohne Stolz bezeichnet – ist längst zu einem gut strukturierten und harmonischen Klangkörper geworden, der aufrichtiges Lob und ehrliche Anerkennung verdient.

Wolfgang Mühlbauer